Ortsmythen hören & erzählen

Landschaften sind nicht nur im Raum, sondern auch zeitlich im Narrativ sichtbar. Es gibt nicht den touristischen Blick als solchen doch wird er in der touristischen Bewegung durch Zeichen konstruiert und der Tourismus beinhaltet die Sammlung von Zeichen. Wenn Touristen in Paris zwei Menschen sehen, die sich küssen, ist das, was sie mit ihrem Blick erfassen, das 'zeitlose romantische Paris'. Wenn sie ein mit Geranien geschmücktes Chalet am Waldrand oberhalb von Grindelwald sehen, blicken sie auf das 'authentische Berner Oberland' und eine 'typisch schweizerische Pflanze'. (John Urry)


Durch Verschönerung, Auslöschung, Übertreibung, Stereotypisierung und Wiederholung erzeugt die kommerzielle Fotografie die Art von imaginativer Geografie, die Shields als 

‘Ortsmythen’

bezeichnet. Hier gibt es, so Shields: "the various discrete meanings associated with real places or regions regardless of their character in reality. Images, being partial and often either exaggerated or understated, may be accurate or inaccurate. They result from stereotyping"


R.Schields Places on the Margin, London, Routledge, in: John Urry, The Tourist Gaze 3.0

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When you take the Swiss mountains. I think they are just a giant Disneyland. Especially when you look from my own environmental degree perspective. Everything has a place in the landscape, and everything is very predictable. Like when you take a train in a wonderful place you are just like: Ah and where is the? Ah, here it is. Ah, and where is? Ah, voilà! And so everything. It feels like a giant Playmobil. O.k. Perfect. Bravo. Exactly what I learnt. Check, check, check.

What I am trying to say. This relationship that we have to landscape, what has been normalized to be a landscape, what was before a landscape and also how alienated we are now to nature and to a lot of processes and how to get back to less alienation and to more connection. By touching the soil, feeling it. See how alive it is. Seeing the beauty. It’s very basic. Planting a seed and see how it growth. Wow it’s so cool. I never had this practice in my life.

Landscape Dialogue #11, Transkript
Greenhouse mit Kenza Benabderrazik (Dozentin, Koordinatorin Greenhouse Art-Lab, ETH), Januar 2024

Facts & Figures

In der Erlebniswirtschaft werden Bühnen- und Drehbuchszenen für Erlebnisse fotografiert: Prospekte werden analog zu Theatern; sie bilden Bühnenszenen ab, durch die die Verbraucher in imaginäre Tourismuslandschaften eintreten.

Werbefotografien werden von der Tourismusindustrie mit einer doppelten Aufgabe betraut. Sie wecken Wünsche nach körperlichen Reisen und inszenieren Reiseziele mit aussergewöhnlichen geografischen Vorstellungen. Mit anderen Worten: „Das Destinationsmarketing ist daher gleichzeitig an der Konstruktion von Ortsbildern und an der Konstituierung von Subjekten beteiligt, die dieses Bild auf spezifische Weise erleben“


J. Goss, Placing the market and marketing place: tourist adevertising of the Hawaiian Islands, 1972-92, Environment and Planning D, Society and Space, 1993, in: John Urry, The Tourist Gaze 3.0

Frédéric: In dieser Recherche, also im Kern der Recherche ist auch das Herausfinden oder Nachspüren von Wahrnehmungsverschiebungen. Was macht es aus, dass plötzlich eine Landschaft oder ein Naturelement wie anders wahrgenommen wird. Auf einer touristischen Ebene, was meinst du, was sind solche Momente, wann solche Wahrnehmungsverschiebungen passieren könnten?

Denise:Vieles wird natürlich ein bisschen «verromantisiert». Wenn du dir nicht bewusst bist, was diese Landschaft da wirklich leistet. Diese Landschaft ist nicht da, diese Wiesen sind nicht da, um schön zu sein. Die sind hier damit Gras wächst. Und jetzt haben die Bauern so lange warten müssen, weil es wochenlang nur regnete, das Gras ist geknickt und man konnte einfach nicht mähen, weil man wusste, es wird nicht trocknen. Und dieses dann als Tourist als «beautiful» und «amazing» und «the cows» sehen und dass sie teilweise über die Kuhwiesen gehen, weil sie ein schönes Föteli machen wollen und die Gefahren nicht sehen oder die Bedürfnisse des Landwirtes.

Landscape Dialogue #14 - editiertes Audiofile
Naturgarten eines Ferienhauses im Entlebuch mit Denise Baumann (Managerin des Ferienhauses), Juni 2024


Wofür hat dein Zugangsort ausser für dich noch gearbeitet?
Wofür arbeitet der Ort, an dem du dich gerade befindest?

Frédéric:

If you could talk to the landscape what would you like to express?

[rhythmic steps, longer pause]

Joan:

Very easy.

[pause, seems performative, a posing pause]

I love you.
[loud and clear]
&
I'm so sorry.
[small and soft]

Landscape Dialogue #15 – Transkript,
Marbachegg im Entlebuch mit Joan Cuadrench (Marketing Marbachegg Sportbahnen), Juni 2024

Sound

Landscape Dialogue #15 – editiertes Audiofile
Marbachegg im Entlebuch mit Joan Cuadrench
(Marketing Marbachegg Sportbahnen)

Juni 2024