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In der touristischen Erfahrung bezieht sich das Sehen auch auf „diskursiven Bestimmungen“:
Hall Foster, Vision and Visuality, Seattle, WA: Bay Press Seattle, 1988

Carolina: Ein gutes Beispiel. Das Chessiloch Flühli. Es war ein Hotspot. Vor allem als die neue Hängebrücke gebaut war.
Wir mussten dann sage, das ist nicht der richtige Weg. Also wir verkaufen das gerne. Logisch. Dafür wurde es gemachtund es soll ja auch eine Aufwertung sein und eine Wertschöpfung generieren.
Und diese Woche, das fand ich ganz spannend, habe ich einen Bericht vom Öschinensee gesehen. Und ich dachte, o.k., das würde ich glaub nicht so machen. Trotz allem. Und trotz allem Schönen.
Deshalb bin ich mehr auf dieser Schiene, obwohl das nicht unbedingt einer Touristikerin entspricht, das bin ich mir bewusst. Aber ich finde, es muss alles ein gesundes Mass haben und eine Ausgewogenheit.
Landscape Dialogue #17 - Transkript
In der Hotellobby Bergwelten Salwideli im Entlebuch mit Carolina Rüegg (Pächterin Salwideli, Präsidentin "Freunde der Biosphäre Entlebuch", früher Tourismusdirektorin Sörenberg), Juni 2024
Wenn gemäss John Urry in The Tourist Gaze 3.0. das Sehen als natürlich dargestellt wird, naturalisiert dies seine soziale und historische Natur und die Machtverhältnisse des Sehens. Wie die Sprache sind auch die Augen soziokulturell geprägt und es gibt verschiedene ”Arten des Sehens”.
We never look just at one thing; we are always looking at the relation between things and ourselves.
John Berger, Ways of Seeing. Harmondsworth: Penguin, 1972.
Auch in der touristischen Bewegung betrachten Reisende die Welt durch einen bestimmten Filter von Ideen, Fähigkeiten, Wünschen und Erwartungen, der durch verschiedene Faktoren geprägt ist.
Martin: Was genau beim Gast passieren muss, weiss ich nicht. Bei Reisegruppen sowieso. Diese Personen sind anders, weder vielleicht wir, die wir hier stehen. Aber einfach so:
Für mich unvorstellbar.
Frédéric: Sie sind gar nicht an dem Ort.
Martin: Nein, sie sind nicht dort.
In einer durchgetakteten Timetable. Es ist wie wenn man von einer Tour zurück kommt. Man hatte ein Supererlebnis. Man hat viel erlebt. Ein super Sonnenaufgang. Man hat etwas gekämpft, um das Ziel zu erreichen. Es ist ja auch immer noch ein bisschen Sport in der Natur. In meinem Bereich. Mit dem Bergsteigen. Aber bald ist es schon wieder weit weg. Und das musste ich auch etwas lernen. Nicht zurück bei der Hütte angelangt gleich wieder weiterzugehen, sondern vielleicht sogar dem Gast zu empfehlen:
Dann kannst du dieses Erlebnis, das wir auf diesem Berg gemacht haben, nochmals richtig gut verarbeiten. Und dafür hatte ich schon richtig gute Feedback bekommen. Hey, mega, das hat es genau noch ausgemacht.
Landscape Dialogue #16 - Transkript
Moorweg auf dem Sörenberg mit Martin Vogel (Bergführer, Bereichsleiter Bergbahn Sörenberg), Juni 2024
Urry, John, and Jonas Larsen. The Tourist Gaze 3.0. [Third edition]. London: Sage, 2011. Print.
Denise: Das was ich von unseren Gästen immer wiederrückgemeldet bekomme ist, dass sie hier einfach sitzen und einfach sind. Klar, man kann hier auch ein Buch lesen. Das ist nicht verboten. [Kuhglockengeläut, Vogelgezwitscher] Da wo der Zaun ist kommen jetzt dann die zwei Rinder des Nachbars, die sie jeweils im Sommer hier haben. Oder ihre Esel. Es ist jeweils ein Spektakel.
Es hat… Es zieht. Es zieht die Personen echt an.
Landscape Dialogue #14 - Transkript
Naturgarten eines Ferienhauses im Entlebuch mit Denise Baumann (Managerin des Ferienhauses), Juni 2024
Frédéric: Wir stellen jeweils Fragen zum Verlust. Was geht verloren? Wenn alles nur noch durch den Screen erlebt wird - Social Media. Wenn Posts produziert werden müssen. Und es ist wahrscheinlich schon die Aufmerksamkeit.
Martin:
Ich bin allerdings nicht der «Socialmediamensch». Manchmal poste ich ein gutes Foto. Das ist auch Marketing für mich als Bergführer. Oder manchmal im Winter: Hey, hier oben ist schönes Wetter und es liegt Schnee, während dort unten Nebel liegt. Kommt doch hierher. Also mehr zum ‘Zeukeln’. Aber es ist nicht mein Stress.
Frédéric: Ja, aber offensichtlich gibt es ganz viele Menschen, die auf der Suche nach dem Erleben über den Screen sind, auch nach dem Spektakulären für den Screen. Um Erfolg zu generieren.
Martin:
Landscape Dialogue #16 - Transkript
Moorweg auf dem Sörenberg mit Martin Vogel (Bergführer, Bereichsleiter Bergbahn Sörenberg), Juni 2024