Im späten 19. Jh. reiste die Mittelklasse mit der zunehmenden Mobilität vermehrt an Ziele wie das Mittelmeer, insbesondere nach Italien oder an die französische Riviera. Zunehmend brachten die Reisenden Fotografien mit zurück auf denen Landschaften abgebildet wurden, die von ungewohnter Hitze und Licht erfüllt waren. Im 20. Jh. trugen diese Landschaften dazu bei, eine umso ausgeprägtere «Mittelmeerpassion» unter weiten Teilen der Bevölkerung West- und Nordeuropas auszulösen.

Sharon Zukin, Post-modern Landscapes. Mapping Culture and Power, in Scott Lash, J. Freidmann, Moderinty and Identity, Oxford, 1991, S. 7
Fotografische Praktiken formen das Reisen. Ein Großteil des Tourismus konzentriert sich infolgedessen auf die Suche nach dem Fotogenen und ist somit eine Strategie zur Ansammlung von Fotografien. Das heißt, dass sich mit der Weiterentwicklung und Veränderung der fotografischen Technologien und Praktiken die zu fotografierenden Sehenswürdigkeiten ebenfalls wandeln. Insbesondere neue Techniken der Farbfotografie haben das Bedürfnis gesteigert, Landschaften zu bereisen und aufzunehmen, die frei von verschiedensten Arten sichtbarer Verschmutzung - schwere Maschinen, Autobahnen, Kraftwerke, Arbeiter, verunreinigtes Wasser, Smog, Brachflächen usw. - sind. Die Fotografie hat demnach die Widersprüche verschärft, die in der Beziehung zwischen Tourismus und Umwelt enthalten sind. Sie hat einerseits die Anziehungskraft bestimmter Arten unberührter Landschaften verstärkt und somit gleichfalls die Nachfrage nach dem Schutz und Erhalt dieser Umwelten.