Gestartet haben die Landscape Dialogues während dem Studium im Rahmen einer gemeinsam besuchten Seminarwoche, einem gemeinsamen Angebot der ETH und der ZHdK in der UNESCO Biosphäre Entlebuch (2022). Von den Studierenden wurden kleinere Recherchen vor Ort durchgeführt mit spezifischen Fragestellungen. Uns interessierte damals die Frage, ob lokal wohnende Personen dieselben Orte als ihre ‘Landschaftszugänge’ benutzten, welche im Rahmen des sanften Tourismus bezeichnet und beschriftet sind, wie beispielsweise «der Kraftbaum» (Heiligkreuz), «der Seelensteg» (Heiligkreuz), «das Mooraculum» (Sörenberg) etc.

Frédéric: Damals beschäftigte ich mich mit dem Konzept der Atmosphäre >Exkurs(-ion) und der Phänomenologie >Exkurs(-ion). Sie leiteten uns in den Fragestellungen. Ich hatte vorgängig zum Studium in Transdisziplinarität einen CAS in Curating abgeschlossen und theoretische Konzepte begleiteten seither meine Auseinandersetzung. Auch frühere Tätigkeiten im Tourismus haben einige Gedankenstränge genährt. Mich interessieren die aktuellen Diskurse rund um das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt.

 

Judith: Ich komme aus der bildenden Kunst, arbeite  aber auch im Gesundheitswesen, im Pflegebereich. Mich interessiert es teils auf ganz praktischer Ebene, wie Menschen mit Umwelten in Kontakt sind oder wieder darin eingebunden werden können. Das kann die ganz unweigerliche Umgebung sein. Das Zimmer. Das Bett. Die Computertastatur. Wie ist Mensch in der Welt? Wie verbunden, eingebettet, orientiert, entfremdet? In der Auseinandersetzung ist für mich die Frage nach der Wirkmächtigkeit der Umwelt, der Umgebung und von Geräten teils auch auf skurrile Art reizvoll geworden – oft mutet mich etwas ‘ein bisschen komisch an’ und weckt so mein Interesse.

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Frédéric: Während den ersten Untersuchungen im Entlebuch sprachen wir davon, eine Art Countermap zu produzieren. Die herkömmlichen Bezugspunkte fragend zu unterlaufen aber auch zu erweitern. Im Anfang schwang oft diese Prise Humor mit. Auch als wir beispielsweise auf die Spaziergangswissenschaft (Annemarie und Lucius Burckhardt) stiessen.

 

Judith: Ja, wir hatten uns plötzlich als promovierte Promenadolog*innen gesehen, die sich bis in ferne Zukünfte mit allerhand Themen beschäftigen, die uneingeschränktes Driften legitimieren.

 

Frédéric: Und parallel ist der Wunsch gewachsen, zum Konkreten vorzustossen. Mögliche weitere Felder, vielleicht Spannungsfelder, zu suchen. Sich mit spezifischen Landschaften und ihren Menschen auseinanderzusetzen. Das Miteinander-Sein, die sinnlich-ästhetischen Relationen darin aufzuspüren und dort probieren, den Verhandlungsraum subtil zu erweitern.
 

Auszüge aus Arbeitsgesprächen der Komplizenschaft