Ausflug in die situierte Leibphänomenologie

Ute Gahlings betont, dass leibliches Existieren in Situationen und Kontexte gestellt ist, von einer Vielfalt an Bedingungen beeinflusst wird und erläutert das am Beispiel des Bungy-Springens. „Eine phänomenologische Analyse des Bungy-Springens hätte die Summe der Bedingungen in den Blick zu nehmen, die zu dieser Art des eigenleiblichen Spürens führt und dieses sodann in seiner Prozessualität zu beschreiben“. Sowohl kulturelle und historische Hintergründe und mögliche Zusammenhänge sollten erläutert werden, als auch die Tatsache, dass der Personenkreis, der eine solche Freizeitbeschäftigung ausüben kann, eingeschränkt ist. Gewissen Personen ist es untersagt (z.B. Schwangeren (Geschlecht), Kindern, alten Menschen, Personen nach gewissen Herzoperationen). Oder andere haben vielleicht nicht die finanziellen Mittel (Klasse). Gahling beschreibt mit ihrem Werk die Leibphänomenologie aus einer ‚weiblichen‘ Perspektive und öffnet so den Raum für eine erweiterte Betrachtungsweise. Haus und Heim wird beispielsweise in der Phänomenologie oft als ein ‚umfriedeter Ort‘ idealisiert. Gahling betont hierzu: „Man hat Frauen in der Vergangenheit – und tut es in anderen Erdregionen heute noch – in private Innenräume verbannt, ihnen eine Teilhabe am öffentlichen Leben versagt und dadurch auch den Frauenkörper, die Integrität des weiblichen Leibes, sowie seine Orientierung im Raum geformt.“ Anm. der*s Autor*in: Aktuell passiert die Formung von Körpern im digitalen Raum. Verbunden mit Möglichkeiten im medialen Bereich und der Erreichung einer grossen Öffentlichkeit, können insbesondere Frauenkörper oder weitere (marginalisierte) Körper ‚modelliert‘ werden, was Auswirkungen auf die jeweilige Integrität hat und die Leiblichkeit der Personen (meistens weibliche) in ihrer Bewegung im realen Raum beeinflusst (Bsp. Deepfake Porno).

Gahlings, Ute. Phänomenologie der weiblichen Leiberfahrungen. Orig.-Ausg., 2006, https://www.ub.unibas.ch/tox/IDSBB/003935387/PDF. Alber.

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