...doch ist heute die Lichtung immer noch das luftige Plätzchen im dichten Wald? Oder ist es nicht eher umgekehrt und der schattenspendende Baum in der Stadt, oder der luftfilternde Wald am Stadtrand bildet eine Lichtung im satten Grau? Und beides, das saftige Grau und das Moos und das Klee, der Stadtbaum und das Balkonpflänzchen führen «Dialoge zur Verdichtung». Auf welchen Lichtungen wälzen wir uns?

Von der Lichtung zur Stadt in Zitaten
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wo ist deine lichtung
wenn du finsterst?
komm,
wir wälzen uns dort
im letzten grün,
bis uns klee wächst
in den manteltaschen,
bis es unter dem frost
beginnt zu wundern.


Simone Lappert


Früher bedeckte unberührter Urwald die ganze Schweiz – vom Genfer- bis zum Bodensee. https://www.myswitzerland.com/de-ch/erlebnisse/sommer-herbst/listicles-summer/ab-in-die-waelder/ (23.08.24) Es war ein dunkler und geschlossener Wald. Die Domäne des Auerochsen. Langsam nur sollte er sich öffnen. Lichte Flecken, Durchbrüche im Laubdach. Kleine Einschläge, die rasch wieder zuwuchsen. Schwenderauch und Axthiebe. Neue Öffnungen zur Sonne. Das war das Menschliche im Wald. So hat es begonnen. Ekman, Kerstin, und Hedwig M Binder. Der Wald : eine literarische Wanderung. München: Piper, 2008. Print. Heute sind nur noch kleinste Urwaldreste übrig. https://www.myswitzerland.com/de-ch/erlebnisse/sommer-herbst/listicles-summer/ab-in-die-waelder/ (23.08.24) Lucus, clairière, clearing – die Wörter für Einschlag haben alle mit Augen, Fenster, Öffnung, Licht zu tun. Das lateinische Wort für Wald, silva, bezeichnet ursprünglich sogar den Einschlag und nicht den Wald. Lucus wurde zum Namen des heiligen Heins selbst, die Öffnung zwischen den Bäumen, wo das Opfer dargebracht wurde, und das Licht des Himmels eindrang. Von dort konnte man die Zeichen und Bilder der Sterne sehen, und mit diesem Ausblick beginnen vermutlich Metaphysik und Wissenschaft. Ekman, Kerstin, und Hedwig M Binder. Der Wald : eine literarische Wanderung. München: Piper, 2008. Print. Die verschiedenen älteren Belege verweisen auf das Wort Raum „als einen uralten Ausdruck der Ansiedler … der zunächst die Handlung des Rodens und Freimachens einer Wildnis für einen Siedelplatz bezeichnete … dann den so gewonnenen Siedelplatz selbst“. Dieser Hinweis ist sehr bedeutsam. Raum in diesem ursprünglichen Sinn ist also nicht an sich schon vorhanden, sondern wird erst durch eine menschliche Tätigkeit gewonnen, indem man ihn durch Rodung der Wildnis (die also nicht Raum ist) abgewinnt. Bollnow, Otto Friedrich. Mensch und Raum. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2011. Print. Städte begannen einst als Einschlag und ein paar Schwenden. Strassen und Gassen uralter europäischer Städte verlaufen gemäss dem Sonnenumlaufsystem der Äcker rings um den Stadtkern. Ekman, Kerstin, und Hedwig M Binder. Der Wald : eine literarische Wanderung. München: Piper, 2008. Print. Raum ist im weitesten Sinn der „freie Raum“ um einen Menschen herum, der „Zwischenraum“ zwischen den Dingen, der „Spielraum“ einer Bewegung. Bollnow, Otto Friedrich. Mensch und Raum. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2011. Print. Strassen sind der Raum, der zwischen Gebäuden übrig bleibt. Solnit, Rebecca, und Daniel Fastner. Wanderlust : eine Geschichte des Gehens. Erste Auflage. Berlin: Matthes & Seitz, 2019. Print. Es gibt keinen Raum, keinen schönen Raum, keinen schönen Raum ringsum, keinen schönen Raum rings um uns herum – es gibt eine ganze Menge kleiner Raumzipfel, und einer dieser Raumzipfel ist ein Untergrundbahnschacht, und ein anderer ist eine Parkanlage. Perec, Georges, und Eugen Helmlé. Träume von Räumen. 2. Auflage. Zürich: Diaphanes, 2016. Print. Durch die Strassen zu wandern verbindet Kartenlesen mit dem eigenen Leben, den persönlichen Mikrokosmos mit dem öffentlichen Makrokosmos; es erschliesst das Labyrinth, das einen umgibt. Solnit, Rebecca, und Daniel Fastner. Wanderlust : eine Geschichte des Gehens. Erste Auflage. Berlin: Matthes & Seitz, 2019. Print.