sich im Urbanen
 

vermischen

Urbane Landschaften bringen ein soziales Vibrieren mit sich.
Teils wird es aufgenommen, wirkt inspirierend, schwingt weiter.
Teils führt es zu einem Gefühl eines Aufgehoben-seins, teils zu wohlwollendem Zuschauen & Zuhören.


As we step out of the house on a fine evening between four and six, we shed the self our friends know us by and become part of that vast republican army of anonymous trampers, whose society is so agreeable after the solitude of one’s room.

Woolf, Virginia. Street Haunting: (Little Clothbound Classics). New York: Penguin Publishing Group, 2023. Print.

Es kann auch eine feministische Praxis sein. Als Frau versuchen zu Flanieren.

Manchmal bekomme ich auch Angst. In der Nacht. Wenn es so aufgeladen ist, in einigen Ecken.

Und dann denke ich immer. Es ist ja dunkel und sie haben wahrscheinlich genauso Angst vor mir, wie ich vor ihnen. Und dann gehe ich ein wenig breitbeiniger und etwas schwerfälliger und dann habe ich das Gefühl, dass ich recht gut getarnt bin.

Limmat am Stadtrand mit Nora

Es gibt andere Orte, die mehr gerichtet sind. Wo du fast nicht an etwas anderes denken kannst, als das, was dort ist. Ein gutes Beispiel ist der Bullingerplatz. Ich kann dort nicht hin, um ein bisschen nachzudenken.

Es ist so viel los und ein Brunnen in der Mitte, der ständig plätschert. Es ist wirkliche ein einziges Geschnatter und Geplauder.

Was auch mega wichtig ist und ich gehe auch gerne dort hin. Aber es ist kein Ort, der mir hilft, in eine Gedankenwelt einzutreten. 

Friedhof Sihlfeld mit Stephanie

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Es gibt auch etwas, das ich gerne mache.

Bewusst, z.B. der Limmat entlangzugehen, an einem Sonntag, wenn es viele Menschen hat, und mich v.a. auf das auditive zu konzentrieren. Und die Gesprächsfetzen aneinander zu reihen und wirken zu lassen.

Pfade am Uetliberg mit Margaretha

In der Stadt ist man allein, weil die Welt aus Fremden besteht, und als Fremde:r von Fremden umgeben zu wandern, still die eigenen Geheimnisse mit sich tragend und sich die der Passant:innen ausmalend, gehört zu den schlichtesten Formen von Luxus. […] Es handelt sich um den Zustand einer Beobachterin, kühl, zurückgezogen mit geschärften Sinnen, ein guter Zustand für alle, die nachdenken oder schöpferisch tätig sein müssen. In kleinen Dosen gehört Melancholie, Entfremdung und Introspektion zu den feinsten Genüssen des Lebens.

Solnit, Rebecca, und Daniel Fastner. Wanderlust : eine Geschichte des Gehens. Erste Auflage. Berlin: Matthes & Seitz, 2019. Print.


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Landscape Dialogue #9 – editiertes Audiofile
Limmat am Stadtrand mit Nora Longatti
Mai 2023


Manchmal ist es ein aufgehoben sein in der Welt, wenn ich gerade fühle, verloren zu gehen, so alleine. 

Und weil rund um ich herum Leben passiert, habe ich das Gefühl, ah ja, es ist möglich, es ist gut, es geht wieder, ich kann wieder nach Hause. Beispielsweise hier abends vorbeigehen und schauen, was andere Leute gerade tun, und in all diese Wohnungen hineinschauen zu können, deswegen ist die Nacht super, weil tagsüber siehst du ja nicht hinein. 

In der Nacht kannst du in all diese Leben hineinschauen.

Wie es sich konstelliert. Was vorkommt. Welche Stimmungen gerade sind. Das hat auch etwas, ohne dass ich das konkret bewusst mache, mit abgucken zu tun. Das hatte es bereits immer, Leuten beim Leben zuschauen, sich inspirieren lassen, wie Leben auch noch funktionieren könnte…. Es ist, weil ich so leise wahrnehmen kann. 

Interaktionen zwischen Menschen sind oft sehr laut, wenn sie verbal stattfinde… wenn ich draussen bleibe, habe ich all diesen Noise nicht. Ich kann in einer Ruhe teilnehmen.

Limmat am Stadtrand mit Nora

Into each of these lives one could penetrate a little way, far enough to give one the illusion that one is not tethered to a single mind, but can put on briefly for a few minutes the bodies and minds of others.

Woolf, Virginia. Street Haunting: (Little Clothbound Classics). New York: Penguin Publishing Group, 2023. Print.