sich in inneren & äusseren Topografien

verlieren

Wie unterstützen Bewegungen durch Landschaft welche Art von Gedankengängen? 
Welche Landschaften öffnen innere topografische Erkundungen?
Was führt zum Driften, Umherschweifen, Verlieren und Fliessen?


Der Rhythmus des Gehens bringt eine Art Denkrhythmus hervor, und das Sichbewegen durch eine Landschaft spiegelt oder stimuliert die Bewegung durch eine Gedankenfolge. Dadurch entsteht eine sonderbare Übereinstimmung zwischen innerer und äusserer Bewegung, die die Vorstellung nahelegt, dass auch der Geist eine Art Landschaft darstellt und Gehen eine Form, sich durch sie zu bewegen. Ein neuer Gedanke scheint oft wie ein Merkmal der Landschaft, das sich dort immer schon befunden hat, als ob Denken eher Reisen als Erschaffen wäre. Ein Aspekt der Geschichte des Gehens ist daher die Geschichte des konkretisierten Denkens, denn die Bewegung des Geistes lassen sich nicht abmessen, die der Füsse hingegen schon.

Solnit, Rebecca, und Daniel Fastner. Wanderlust : eine Geschichte des Gehens. Erste Auflage. Berlin: Matthes & Seitz, 2019. Print. S.11

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Ich glaube genau, dass ich hier im Jetzt bin, oder dass ich diese Wege gehe und gehen kann, ermöglicht es mir, anders denken zu beginnen. Es gibt ein Muster, das nach 20-25 min beginnt. Egal wieviel Stress ich habe, oder was ich alles im Kopf habe. Dass ich wie so durch zwei Filme durchgehe. 

Einerseits Gedanken, die wie ein Film sind, oder fliessend. Gleichzeitig aber auch die Umgebung, die ich wahrnehme und auch hindurchfliesse.

Pfade am Uetliberg mit Margaretha

For me it’s much easier to be alone with my thoughts and with the things I need to digest or think aloud or make some reflections or make decisions. The daily thoughts (worries). Nature gives me the space, the time, the environment, to be confronted with myself. Sometimes it’s working better, sometimes less. It’s not a hundred percent match. But it helps. It has something to make me quieter. And to be more honest with myself. I think nature gives me this opportunity. Why? I don’t know. Maybe the green has something? For me personally its connected with the movement. 

I need to move to have this opportunity or to have this space for these thoughts. 

The movement is connected to deal with that. And it must be in a rural area. Moving along the Langstrasse wouldn’t have the same effect.

Wald und Agrarflächen am Stadtrand mit Laura

Auf dem Land ist die Einsamkeit geografisch – man befindet sich überhaupt ausserhalb von Gesellschaft, sodass die Einsamkeit eine greifbare geografische Erklärung findet, und dann gibt es dort auch eine Art Vereinigung mit der nichtmenschlichen Welt.

Solnit, Rebecca, und Daniel Fastner. Wanderlust : eine Geschichte des Gehens. Erste Auflage. Berlin: Matthes & Seitz, 2019. Print.

Ich bin auch viel alleine hier und es ist wirklich so ein Flanieren und Schauen,

was mir in den Sinn kommt, oder vielleicht grüble ich auch an einem Thema, das mich beschäftigt – es ist ein guter Ort dafür – aber es kann auch sein, dass ich unbeschwert hierher komme und einfach die Beine vertrete und ein bisschen schaue, was hier ist, und ein bisschen lausche.

Friedhof Sihlfeld mit Stephanie

Es macht etwas anderes, auf den Wegen zu gehen, wie wir es jetzt gerade sind, zum Gehen und sich bewegen. Als durch eine volle Stadt zu gehen. Oder z.B. sonntags spazieren gehen. 

Es ist so viel, das passiert, das mich überall hinbringt, aber nicht hier in der Gegenwart sein lässt. Oder bleiben lässt. Oder eine andere.

Pfade am Uetliberg mit Margaretha

Ich gehe oft abends noch schnell durch. Es ist aber auch so, dass ich den Friedhof noch immer nicht ganz verstanden habe, weil ich ganz bewusst keine Karte anschaue. 

Weil ich mich so gewohnt bin, als Szenografin Karten zu lesen, dass ich gefunden habe, ich will das einfach so entdecken. Ich verlaufe (verliere?) mich auch immer mal wieder.

…es ist ein Ort, wo ich mich immer mal wieder verirre oder verliere, wo ich nicht genau weiss, geht es nun hier entlang. Ich vergesse es auch immer wieder. 

Das erlaube ich mir auch. Ich muss diesen Ort nicht kennen.

Friedhof Sihlfeld mit Stephanie