Queere Phänomenologie anhand des Leitmotivs der Orientierung
Sarah Ahmed setzt Queer Studies mit der klassichen Phänomenologie in einen Dialog. Sie hinterfragt kritisch und erweitert die Ansätze, Ding- und Raumbeschreibungen von Husserl und Merleau-Ponty, um die konkreten Bedingungen der Beschreibungen offenzulegen und die Bedeutung der Orientierung zu betonen. Ist die Erfahrung einer selbstverständlichen Orientierung und Situierung wirklich für jedes Subjekt wesentlich, fragt Ahmed. Welche Rolle spielt dabei das Unstimmige, Widerständige, die Desorientierung?
Anhand des Leitmotivs der Orientierung beschreibt und verschiebt Ahmed klassische Wahrnehmungs- und Raumanalysen und zeigt deren verborgene soziale Bedeutungen auf. Orientierung erfordert Zeit. Zeit, um den Raum einzunehmen, sich einzugewöhnen. Auch wenn es bei der Orientierung darum zu gehen scheint, wo genau wir uns in der Gegenwart befinden, weisen sie uns auch in die Zukunft. Hier liegt, was Ahmed die Möglichkeit der Richtungsänderung nennt. Es geht um das Risiko, vom geraden Weg abzuweichen und eine neue Zukunft zu ermöglichen. Eine Zukunft, die ebenso beinhaltet, dass wir uns verirren, verloren gehen oder selbst fremd werden.
Ahmed, Sara. Queer Phenomenology : Orientations, Objects, Others. Durham: Duke University Press, 2006. Print.
Solnit, Rebecca. As Eve Said to the Serpent : On Landscape, Gender, and Art. Paperback edition. Athens, Georgia: The University of Georgia Press, 2003. Print