Landscape Dialogue #14 – Anekdote in Transkriptstil
Naturgarten eines Ferienhauses im Entlebuch mit Denise Baumann (Managerin des Ferienhauses)
Juni 2024

 

Die Beobachtung einer Begegnung einer Libelle mit einem Audiogerät-Mensch-Hybrid aus der Sicht des Menschen.

Libelle: Der Flug und die aktuelle Haltung der Libelle wirkt virtuos und bewusst. Eine schwebende konzentrierte Präsenz. Beobachtend. Überlegend. Neugierig? Sie befindet sich auf gleicher Höhe mit dem Audiorecorder, der an einem Stativ angebracht von einer Person gehalten wird.

 

Audiogerät-Mensch-Hybrid: Der Recorder ist so gross wie ein Smartphone. Über die Richtmikrophone ist ein Windschutz gestülpt. Eine kleine Kunsthaarmütze mit strähnigen Fransen.

 

Libelle: Die Libelle fliegt nah heran und verharrt im Standschwebflug. Ein wuschelig grau-bläuliches Chaos, das den Wind schneidet und sein Rauschen auflöst, begegnet den zwischen feinen Adern gespannten hauchdünnen transparenten glatten Flügeln, die auf der Luft aufliegen, sich von ihr tragen lassen, in deren Strömungen gleiten. Fransen und Flügel. Fast berühren sie sich. Die Libelle mit ihren über dreissigtausend Einzelaugen und den zwei kurzen achtgliedrigen Fühlern begutachtet ein Gerät, das nicht spürt. Nicht fühlt. In einem gewissen Sinne hört. Ton aufnimmt.

 

Judith (als Mensch im Audiogerät-Mensch-Hybrid): Ich selbst kann keines meiner beiden Ohren mit meinen Augen ohne weitere Hilfsmittel betrachten. Mit dem Audiorecorder unterwegs, kann ich ihm ‚beim Hören’ zuschauen. Der Recorder ist mit mir verbunden und doch etwas distanziert. Für die aktuellen Aufnahmen trage ich nur ganz zu Beginn Kopfhörer, schalte mich mit dem Gerät synchron. Kurzes Auspegeln. Danach lege ich sie zur Seite, entferne sie vom Gerät. Ich versuche sowohl mit meinen menschlichen Ohren als auch mit dem Gerät zu lauschen. Mit diesem Vorgehen fühle ich mich präsenter und multipler.

Ich kann dieser Begegnung zwischen Libelle und des Audiogeräts am Ende meines Armes zuschauen, dieser Neugierde dieses Wesens und mich wundern, ob das Schwirren und Flirren der Flügel dort ein solches Volumen entwickelt, dass es eine auditive Spur erzeugt. Ich selbst höre aktuell mit meinen blossen Ohren nichts.

CM-Recorder (als Audiogerät im Audiogerät-Mensch-Hybrid): Generiert eine Spur des Schwirrens. Es ist später auf dem Audiofile festgehalten und für menschliche Ohren deutlich hörbar:

Sound
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Libelle: Was geht wohl in dieser neugierig wirkenden Libelle vor? Mit welchen Gemütsregungen ist dieses nahe Betrachten des äussersten Endes des Audiogerätearmes verbunden? Besteht oder entwickelt sich eine gewisse Affinität diesem wuschelig gekleideten Audiogerät gegenüber? Eine ehrliche Neugierde? Der Beginn einer Freundschaft? Oder gilt das Interesse nur der Einordnung von etwas Neuem in eine gefährliche/ungefährliche lokale Präsenz?