Die Entwicklung des Leitfadens war der erste Übersetzungsmoment, um Ansätze aus der Theorie in eine zugängliche und anregende Sprache zu übertragen. Zunächst werden im Leitfaden Grundbegriffe zur Recherche eingeführt und danach folgen 5-6 Begriffe mit kurzen Erläuterungen, die der Gestaltung des Dialogs dienen sollen, jedoch eher wie Wegweiser präsentiert werden, denen die Personen folgen können oder nicht, oder die zu Gegenvorschlägen der Personen führen.

Um die Methode des Landscape Dialogue zu entwickeln, war es wichtig, spazierende Bewegungen selbst auszuführen. So starteten wir eines Tages an einem Ende der Stadt, spazierten von diesem Punkt der Peripherie ins Zentrum, verliefen uns einige Male und führten dabei einen Dialog. Wir fragten und befragten uns auf diesem Spaziergang suchend nach unseren eigenen Praxen. Was diese Bewegungen ausmachen, dieses mit Landschaften in Berührung, in Beziehung sein. Im Gespräch haben sich Begriffe, wie «Zeitlichkeit», «Erinnerung» und die «körperliche Erfahrung» herausgebildet. Wir versammelten sie. Sie bildeten einen Leitfaden, eine Grundlage für die Landscape Dialogues. Ein weiterer Begriff – die «Fluchtlinie» – war anfänglich dabei, wurde von einzelnen Partizipierenden aber nicht immer leicht verstanden, worauf wir ihn aus dem Leitliniendokument entfernten, nicht aber aus unseren Gedanken. Den «Verlust» (persönlicher, Landschaften, Landschaftselemente) erwähnten wir in den Anfängen, merkten aber, dass dieses Thema, wenn es will, sowieso Teil des Gesprächs wird.
Der Leitfaden hat sich entwickelt, bleibt aber ein bewegliches, unabgeschlossenes Instrument. Allgemein beobachteten wir, dass eine Einführung in die thematische Idee und die grundlegenderen Fragen des Projekts die Zugänglichkeit und den Tiefgang des Dialogs fördern. Das Dokument mit einigen Begriffen zum Thema, ist offensichtlich ein hilfreiches Werkzeug. Wir haben es immer als Leitfaden verstanden und präsentierten es so. Nicht als Fragebogen, der stur abgearbeitet wird. Wir verfolgten nie quantifizierbare Ergebnisse, sondern wollen zu individuellen und offenen Aussagen anregen, die im Zusammenhang mit den vorgegebenen Begriffen stehen können, aber nicht müssen.
Die multiperspektivischen Beziehungslinien innerhalb von und zu Landschaften stehen im Fokus des Dialogs. Zunächst geht es um die konkreten Tätigkeiten und Praktiken mit der spezifischen Landschaft, auch mit der Landschaft als Teil eines Systems, einer äusseren Struktur und Kontexts. Das explizite Wissen zu dieser Landschaft wird befragt.
Weiter soll sich der Dialog auch der impliziten, inneren Erfahrung, phänomenologischen Beschreibung, dem sinnlich-affektiven ästhetischen Zugang widmen. Der Landscape Dialog ist auch eine sensorielle Untersuchung. Die Fragen sind offen gestaltet, um ausführliche Antworten zu unterstützen und wechseln sich ab mit dynamischen Fragen oder impulsgebenden Aussagen.
Am Schluss des Landscape Dialogues können die Strukturen der Subjektivität* zu Aussagen hin besprochen oder ergründet werden, stehen aber beim Dialog nicht im Vordergrund. Insbesondere wenn mehrere Landscape Dialogues innerhalb desselben Kontexts stattfinden, ist dieser Punkt hinsichtlich Fragen zu Intersubjektivität* relevant.
Oft werden die befragten Personen zum ersten Mal mit den Fragen des Leitfadens konfrontiert. Beispielsweise werden sie aufgefordert, implizites Empfinden zu beschreiben. Etwas, das im Alltäglichen kaum artikuliert wird. Der 'poetische Safe Space' soll im Kontext dieses Dialogs den befragten Personen vor allem
Das Fragen, ohne zu insistieren, das Offenlassen, das zurückhaltende Einbringen von Begriffen bilden den Rahmen für einen möglichst 'unbefangenen' Verlauf.
Die Vertrautheit ist eine wichtige Basis für den Verlauf des Landscape Dialogues, funktioniert aber nicht nach einem Muster und kann nicht 'künstlich' erzeugt werden. Zunächst wird eine Vorstellungsrunde durchgeführt, inkl. der Einführung des technischen Audio-Equipments. Der Rahmen mit den oben erwähnten Punkten wird nochmals vermittelt, falls erwünscht. Danach beginnt das gemeinsame Gehen. Gemeinsames Gehen, ohne zu reden, gemeinsames Gehen mit ersten geteilten Beobachtungen, oder persönlichen Erzählungen. Schritt für Schritt entsteht eine eigene Atmosphäre über die beteiligten Personen und die Landschaft. Im besten Fall lässt sich ein Gefühl eines temporären gemeinschaftlichen Kollektivs etablieren, das ein gegenseitiges Anvertrauen ermöglicht. Der Fragilität und dem experimentellen Charakter des Unterfangens wird mit Sorgfalt und dem Hinweis auf ein in erster Linie ästhetisch geprägtes, exploratives Vorgehen begegnet. Das gemeinsame Bewegen, das gemeinsame Nachdenken und die gemeinsame Suche nach Übersetzungsformen für das Unaussprechliche steht im Vordergrund. Weiterführende Fragen sind auch von der etablierten Vertrautheit abhängig.
Das aufmerksame, zurückhaltende, aber aktive Zuhören ist ein elementarer Teil. In jeder 'Session' ist ein aktives Zuhören, mit kurzen oder eingehenden Rückfragen, mit verbalen und non-verbalen Rückmeldungen, mit Paraphrasieren der Antworten, um Missverständnisse zu klären, um zu helfen, den Gedanken weiterzuspinnen. Wir gehen immer davon aus, dass wir nicht alles verstehen können, was die Person wahrnimmt, wie sich das Multirelationale zusammensetzt. Das Zuhören ist Teil des gemeinsamen Sich-Einlassens, des gemeinsamen Erforschens.
Stockt der Dialog und finden keine weiteren Vertiefungen statt, werden im Sinne des Austauschs und der Fluidität Beispiele aus den eigenen Erfahrungen und Sensibilitäten anvertraut. Die Idee ist, eine mögliche Linie aufzugreifen, die von der Person aufgenommen und weitergesponnen oder gespiegelt werden kann. Beispielsweise spielt die Verlusterfahrung in verschiedenen Landschaftskontexten eine Rolle und die eine Geschichte kann sich mit der nächsten verknüpfen. Manchmal genügt es einzelne Begriffe einzubringen, damit die Erfahrung weitergedacht werden kann. In einigen Fällen wurde uns am Schluss von der befragten Person berichtet, dass sie mehr als erwartet erzählt hat. Es ist meistens das Resultat eines gemeinsamen Eruierens, um Narrative ausfindig zu machen.
In der Vorbereitung sowie während des Landscape Dialogues wird in Bezug auf den jeweiligen Kontext mit der eingeladenen Person nach möglichen Widersprüchlichkeiten, nach Ambivalenzen innerhalb der verschiedenen Relationen zur Landschaft gesucht, wie z.B. die Nutzung der Landschaft als touristisches Produkt und die Nachhaltigkeit. Durch die 'Konfrontation' mit den Ambivalenzen im Beziehungsgeflecht, wird es manchmal ermöglicht, verborgene Bedeutungen oder Verschiebungen auftauchen zu lassen.